Norderney: Keine neuen Ferienwohnungen mehr

Das Reizklima der Insel und die Nähe zum Festland trugen bereits im 18. Jahrhundert mit zum Beginn des Tourismus bei.

Norderney blüht, die Gästezahlen steigen und an Touristen herrscht dort wahrlich kein Mangel. Über eine halbe Million Übernachtungsgäste sind es pro Jahr und besonders zur Hauptsaison sind die Ferienwohnungen auf der Ostfriesischen Insel voll. Eine Tatsache, die die Lebensgrundlage der Insulaner sichert. Allerdings sorgt diese auch dafür, dass der Wohnraum für Einheimische knapp und nahezu unbezahlbar wird.

Inhaltsverzeichnis
Dauerwohnraum für Insulaner wird knapp | Norderneyer fühlen sich zunehmend verdrängt | Zweckentfremdung von Dauerwohnraum soll künftig verhindert werden

Nun gibt es auf Norderney Pläne, die Umwandlung weiteren Wohnraums in Ferienwohnungen zu verhindern.

Dauerwohnraum für Insulaner wird knapp

Wo viele Touristen ihren Urlaub verbringen, besteht nicht nur großes Interesse an Hotels, sondern auch eine große Nachfrage nach Ferienwohnungen. Dies führt wiederum dazu, dass in den letzten Jahren immer mehr Wohnraum auf Norderney zweckentfremdet wurde. Oftmals sind es Häuser verstorbener Inselbewohner, die von Erbengemeinschaften an Kapitalanleger auf dem Festland verkauft wurden, die die Häuser dann in Ferienwohnungen umwandeln oder als Zweitwohnung nutzen.

Wohnraum, der für Menschen, die dauerhaft auf der Insel leben und arbeiten fehlt. Zudem steigen durch diese Verknappung und die hohe Nachfrage die Immobilienpreise seit Jahren rasant an. Wer auf Norderney dauerhaft leben möchte, muss mit Mietpreisen von 20 Euro pro Quadratmeter und Kaufpreisen von durchschnittlich 8.530 Euro pro Quadratmeter rechnen. Da die Menschen nicht wie auf dem Festland einfach ins Umland ausweichen können, haben sie – wenn sie sich die Preise nicht leisten können – nur die Möglichkeit zwischen Festland und Insel zu pendeln, was recht beschwerlich ist.

Etwa ein Drittel der Insulaner lebt in öffentlichen Wohnungen. Der Wille, weitere öffentliche Wohnungen zu bauen, wäre vorhanden. Allerdings ist Norderney dicht bebaut und die freien Flächen sind begrenzt. Oftmals bleibt nur der Weg, alte Häuser abzureißen und größere neue zu bauen. Ein langwieriges Unterfangen.

Norderneyer fühlen sich zunehmend verdrängt

Ein Problem, das das Leben auf der Insel verändert und anonymer macht. Die Nachbarschaft entfremdet sich und die Bürger Norderneys fühlen sich zunehmend verdrängt. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Viktoriastraße am Weststrand. Während der Hauptsaison herrscht dort lebhaftes Treiben. Die meiste Zeit jedoch scheint die Viktoriastraße komplett ausgestorben zu sein. Die Rollläden an vielen der schönen Häuser sind geschlossen. Denn hier wohnen kaum noch Insulaner. Stattdessen beherbergen die Häuser Ferienappartements und Zweitwohnungen. Der Kaufpreis für eine der Wohnungen in der Viktoriastraße liegt bei rund 20.000 Euro pro Quadratmeter. Eine lohnende Kapitalanlage für viele Menschen vom Festland. Für die meisten Insulaner aber nicht erschwinglich und somit verloren.

Zweckentfremdung von Dauerwohnraum soll künftig verhindert werden

Zwar herrschen auf Norderney noch keine Zustände wie auf Sylt. Dennoch möchte man verhindern, dass Wohnen auf Norderney zum Luxus wird. Um dies zu erreichen will der Rat der Insel bis Ende Oktober eine Satzung ausarbeiten, die die Zweckentfremdung von Dauerwohnraum in Gewerbenutzung oder Ferienwohnungen verhindert. Künftig soll es dann nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung des Landkreises möglich sein, Wohnungen als Ferienwohnraum oder gewerblich zu nutzen.

Dem zuvor ging ein vom Landtag Ende März verabschiedetes Gesetz, das den Insulanern die genannten Schritte erlaubt. Überprüft werden soll die Einhaltung der Vorschriften mittels einer Auskunftspflicht für Eigentümer und Hausverwalter. Zudem ist man berechtigt, vor Ort zu prüfen, ob Wohnungen wirklich dauerhaft bewohnt werden.

Eine ähnliche Regelung besteht auf Spiekeroog. Wer dort alten Dauerwohnraum abreißt, darf nur neuen Dauerwohnraum bauen.