Overtourism: Konzepte gegen Massentourismus auf Norderney

Norderney wurde um 1400 herum erstmals urkundlich erwähnt.

Viele beliebte Reiseziele leben von den Touristen, so auch Norderney. Doch werden es zu viele, stellen diese für den Ort und dessen Bewohner eine große Belastung dar. Der Kampf gegen Overtourism war Thema des fvw Destination Germany Days am 15. Januar im Rahmen der Reisemesse CMT in Stuttgart.

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Overtourism ist kein neues Thema | Norderney bei Einbindung von Bewohnern Vorreiter in der Reisebranche

Das Fazit: Norderney macht schon sehr vieles richtig.

Overtourism ist kein neues Thema

Kommen so viele Touristen an einen Ort, dass sie gar nicht mehr das erleben können, weshalb sie die Destination eigentlich besucht haben, dann mindert das die Freude am Urlaub. Denn wer mag schon überfüllte Urlaubsorte. Und auch für die Einheimischen ist der Massenansturm ein drängendes Thema, da deren eigenes Leben insbesondere zu den Stoßzeiten teilweise stark beeinträchtigt wird. Kein neues Problem, sondern eines, das bereits seit den 70er Jahren besteht.

Bekannte Beispiele für Overtourism sind zum Beispiel Venedig, das die Zahl der Touristen gar nicht mehr aufnehmen kann, wenn die großen Kreuzfahrtschiffe ankommen, oder auch Amsterdam, das mittlerweile kein Tourismus-Marketing betreibt, da ohnehin schon zu viele Menschen die Stadt besuchen.

Als der Chef von Visit Berlin, Burkhard Kieker, im Januar 2016 zum ersten Mal über Overtourism in Berlin sprach, war dies für deutsche Destinationen noch ein eher unbekanntes Thema. Heute ist das anders. Immer öfter werden Pläne von Kommunen und Destinationsmanagern von der Bevölkerung blockiert und die Forderungen nach einem für alle verträglichen Tourismus immer lauter.

Norderney bei Einbindung von Bewohnern Vorreiter in der Reisebranche

Das Reizklima der Insel und die Nähe zum Festland trugen bereits im 18. Jahrhundert mit zum Beginn des Tourismus bei.
Das Reizklima der Insel und die Nähe zum Festland trugen bereits im 18. Jahrhundert mit zum Beginn des Tourismus bei.

Das Problem Overtourism betrifft schon lange nicht mehr nur die großen Reiseziele, sondern auch vergleichsweise ländliche Gebiete. Denn es kommt nicht nur auf die Anzahl der Gäste pro Jahr an, sondern auch darum, welche Art von Tourismus man sich wünscht und wie die Verbindung zwischen Gastgeber und Gast sein soll. Eine persönliche und familiäre Atmosphäre ist ab einer bestimmten Besucherzahl nur noch schwer umsetzbar.

Norderney begrüßt bei 6.000 Einwohnern und 23.500 Betten Jahr für Jahr rund 500.000 Gäste und setzt bei seinem Lebensraum- und Erfahrungsmarketing darauf, seine Bürger bei Tourismusprojekten von Anfang an mit einzubinden. So setzt man bei Imagekampagnen für Prospekte, die Inselzeitung oder Werbefilme ausschließlich auf einheimische Modelle, damit sich die Inselbewohner mit der Werbung für ihre Insel bestmöglich identifizieren können.

Außerdem bittet man die Einwohner vor geplanten Bauprojekten um ihre Meinung. Ein Beispiel dafür ist der Umbau des großen Badehauses mit dem europaweit größten Thalassoprogramm und zahlreichen angebotenen Kursen. Hier wurde im Vorfeld eine vierwöchige Auftaktveranstaltung abgehalten, während der die Inselbewohner ihre Ideen einbringen konnten.

Des Weiteren wird die Bevölkerung auch angehört, wenn sie sich gegen ein geplantes Projekt aussprechen. So wurde die angedachte Erweiterung des Golfplatzes auf Norderney gestoppt, weil sich in der Bevölkerung deutlicher Widerstand dagegen regte.

Diese Form der Bürgerbeteiligung hilft, größere Konflikte zu umgehen und Overtourism zu vermeiden.