Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Die Insel Norderney liegt mit Ausnahme der Siedlungs- und Infrastruktur und dem Flugplatz zum größten Teil im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Die Insel Norderney liegt mit Ausnahme der Siedlungs- und Infrastruktur und dem Flugplatz zum größten Teil im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, der seit dem 26. Juni 2009 zum UNESCO-Welterbe gehört. Ein Besuch im Nationalpark ist ein einmaliges Erlebnis. Jedoch sind dabei auch einige Regeln zu beachten, um die dortige Natur bestmöglich zu schützen und die Vögel und die anderen Tiere im Park nicht zu stören.

Denn durch den Nationalpark sollen die besondere Eigenart der Natur und die Landschaft der Wattregion vor der niedersächsischen Küste vor Beeinträchtigungen geschützt werden. Es sollen die natürlichen Abläufe und das charakteristische Landschaftsbild ebenso wie die biologische Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten auf Norderney und insbesondere im Gebiet des Nationalparks erhalten bleiben. Insgesamt besteht die Nationalparkfläche zu 40 % aus Watt, 54,5 % aus Wasser und 5,5 % aus Festland und Inseln.

Die Entwicklung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Foto: By Lencer [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons
Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Foto: By Lencer [CC BY-SA 3.0], from Wikimedia Commons

Der Nationalpark erstreckt sich heute von Dollart im Westen über die Emsmündung, die Ostfriesischen Inseln und den Jadebusen bis zur Elbmündung im Osten. Das Wasserschutz- und Vogelbrutgebiet im Südstrandpolder Norderneys gehört seit 1961 zum Naturschutzgebiet und seit 1986 zur Ruhezone desselben.

Es ist das älteste Naturschutzgebiet der Insel in einem Gebiet, in dem eigentlich ein Militärflughafen hätte entstehen sollen, das aber nach Ende des Zweiten Weltkriegs jahrelang sich selbst überlassen wurde. Erst in den Jahren 1987/1988 wurden Sandmassen zur Verstärkung des Hafendeichs aus dem Gebiet des Südstrandpolders entnommen und Strauch- und Buschwerk entfernt. Dabei wurde die ursprüngliche Feuchtigkeitsvegetation wiederhergestellt, so dass der Südstrandpolder heute zahlreichen Vogelarten Brut- und Rastplätze bietet und Norderney eine der größten Feuchtheiden der Ostfriesischen Inseln besitzt.

Heute zählt neben dem Südstrandpolder auch der komplette östliche Teil der Insel zur Naturpark Niedersächsisches Wattenmeer auf Norderney. Das beinhaltet den vom Hungerdeich umgebenen Grohdepolder, die Vordünen, die den Strand von der Inselmitte trennen, und den Teil der Dünen, die sich im Osten des Wasserwerks in der Inselmitte befinden. Das Niedersächsische Wattenmeer ist heute mit einer Fläche von ca. 345.000 Hektar der zweitgrößte deutsche Nationalpark und als UNESCO-Biosphärenreservat Modellregion für nachhaltige Entwicklung. Es ist eine von insgesamt nur drei Weltnaturerbestätten Deutschlands.

Flora & Fauna auf Norderney und im Nationalpark

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer besteht seit 1986 und ist etwa 345.800 ha groß.
Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer besteht seit 1986 und ist etwa 345.800 ha groß.

Norderney ist eine Düneninsel und entstand im Laufe der Zeit aus Sand, der von der Meeresströmung ausgespült wurde. Entsprechend war die ursprüngliche Inselfläche karg und vegetationsarm. Durch Wind und Erosion entstanden im Laufe der Zeit mehrere Dünenketten, die heute verschiedene Lebensräume für Tiere und Pflanzen darstellen

Die Vordünen sind die jüngste Zone. Sie entstehen durch aufgespülten Sand, der bei Sturmfluten noch überflutet wird. Hier gedeihen salzverträgliche Pionierpflanzen wie Strandquecke und Meersenf.

Wird der Sand nicht mehr überflutet und bleibt damit salzfrei, findet man üblicherweise Strandhafer und Strandroggen. Der Strandhafer mit seinem großen Wurzelwerk sorgt dann wiederum dafür, dass sich befestigte und höher werdende Dünen, die Weißdünen, bilden können.

Zur Inselmitte hin wird der Bewuchs immer dichter, es lagert sich Humus auf den Dünen an und es bilden sich die Graudünen, auf denen Sanddorn und Kriechweide, aber auch Gräser und Flechten vorherrschen. In feuchten Dünentälern in der Inselmitte haben sich kleinere Moore und Salzsümpfe gebildet, in denen Pflanzen wie Königsfarn, verschiedene Moose, Beerensträucher, Rundblättriger Sonnentau, Bärlappgewächse, aber auch Hunds-Veilchen, Dünen-Stiefmütterchen und Wilde Stiefmütterchen gedeihen.

Im heutigen Stadtgebiet wurden durch Aufforstung ab dem 18. Jahrhundert kleinere künstliche Waldgebiete mit Kiefern, Erlen und Pappeln geschaffen. Damit besitzt Norderney mit rund 30 Hektar natürlichem Waldbestand heute die größte Waldfläche auf den Ostfriesischen Inseln.

Artenreiche Tierwelt

Allein 95 Vogelarten brüten auf Norderney.
Allein 95 Vogelarten brüten auf Norderney.

Norderney ist ein El Dorado für all diejenigen, die gerne Vögel beobachten. Allein 95 Vogelarten brüten auf Norderney und während des Vogelzugs halten sich große Schwärme von Zugvögeln vor allem im östlichen Teil der Inseln auf, denen das Wattenmeer als reichhaltige Nahrungsquelle und die Insel als Brutgebiet dient.

Am häufigsten findet man auf Norderney Lach- und Silbermöwen, Enten, Amseln, Haussperlinge und Krähenvögel. Auf den Salzwiesen und Deichen weiden Graugänse. Im Osten der Insel kann man zahlreiche zum Teil auch gefährdete Tierarten finden wie die seltene Moorente, die Küstenseeschwalbe, einige Greifvögel wie Falken, einige Eulenarten, Kohr- und Rohrweihen, aber auch Kiebitze, Knute, Austernfischer, Alpenstrandläufer, Schnepfenvögel, Brandgans, Tauchente und Rotschenkel.

In der ersten Glanzzeit des Nordseeheilbads wurden zudem zum Jagdvergnügen der Inselvögte Fasane, Rehe und Kaninchen ausgesetzt, die aufgrund fehlender natürlicher Feinde systematisch bejagt werden müssen. Im Norderneyer Wattenmeer leben Seehunde und Kegelrobben und um Norderney herum etwa 70 Fischarten, darunter vorwiegend Grundeln und verschiedene Plattfischarten. Dazu kommen Krebstiere und Muscheln. Im Lebensraum Watt sind unter anderem verschiedene Wurmarten zu finden. Die bekannteste ist der Sandpierwurm.

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer für Touristen

Zu schützende Lebensräume sind unter anderem das Watt, Sandbänke, Salzwiesen, Strände, Dünen und Flussmündungen in die Nordsee.
Zu schützende Lebensräume sind unter anderem das Watt, Sandbänke, Salzwiesen, Strände, Dünen und Flussmündungen in die Nordsee.

Auch wenn sich die Unterkünfte und die Hauptbadestrände außerhalb des Nationalparks befinden, so finden doch zahlreiche Aktivitäten der Norderney-Urlauber wie Wandern, Radfahren, Reiten, Wattwandern oder Wassersport im Nationalpark statt. Durch den Nationalpark zieht sich ein gut ausgebautes Netz an Wander-, Rad- und Reitwegen über die die Natur und die Landschaft in allen Facetten erlebt werden können, ohne dass die Tiere dort gestört oder der Natur Schaden zugefügt wird.

Um dies bestmöglich sicherzustellen, ist der Nationalpark auf Norderney in drei Zonen unterteilt. 68,59 Prozent entfallen auf die Ruhezone, 31,02 Prozent auf die Zwischenzone und 0,49 Prozent auf die Erholungszone.

Die Ruhezone ist am strengsten geschützt. Dort ist das Betreten ganzjährig nur auf zugelassenen Wegen erlaubt. In der Zwischenzone dürfen die Wege auch teilweise verlassen werden. In den Brutgebieten muss man zwischen dem 1. April und dem 31. Juli jedoch auch auf den ausgeschilderten Wegen bleiben. In der Erholungszone sind unter anderem keine Störungen durch motorisierte Fahrzeuge erlaubt. Hunde müssen in der Ruhe- und Zwischenzone ganzjährig an der Leine geführt werden.

Hinweistafeln in Schutzhütten an den Wegesrändern erleichtern dem Interessierten mehr über die Flora & Fauna des Nationalparks zu erfahren, während er oder sie sich zu Fuß, auf dem Rad oder zu Pferde die Pfade entlangbewegt, deren Namen zum Teil noch an die Zeit der französischen Kontinentalsperre erinnern. Die Wege sind im Gelände mit farbigen Holzpfosten markiert (Grün für Wanderwege, Rot für Reitwege).

Und wer noch mehr über den Nationalpark und die Tier- und Pflanzenwelt Norderneys erfahren möchte, für den lohnt sich ein Besuch im 2015 neu eröffneten Nationalpark-Haus.

Verwaltung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer

Am 26. Juni 2009 erhielt der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer die Anerkennung als UNESCO-Weltnaturerbe.
Am 26. Juni 2009 erhielt der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer die Anerkennung als UNESCO-Weltnaturerbe.

Ein Nationalpark ist kein Totalschutzgebiet für die Natur, so dass verschiedene Interessen stets nebeneinander berücksichtigt werden müssen. So sind im Schutzgebiet traditionelle Nutzungen wie Landwirtschaft und Fischerei möglich.

Geregelt werden diese Dinge im Nationalparkgesetz. Zuständige Behörde ist die Nationalparkverwaltung im Wilhelmshaven in enger Kooperation mit dem Niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz. Daneben sind auch noch weitere Behörden und Organisationen vor Ort eingebunden.

So gibt es für jede der Inseln und die verschiedenen Küstenregionen spezielle Regionalbetreuer sowie seit 2015 hauptamtliche Ranger, die alle zusammen dazu beitragen, dass das Hauptkapital des Fremdenverkehrs an der Niedersächsischen Küste, die intakte Natur und die Erholungsmöglichkeiten in gesunder Luft und schöner Landschaft, bewahrt bleiben.