Overtourism: Konzepte gegen Massentourismus auf Norderney

Viele beliebte Reiseziele leben von den Touristen, so auch Norderney. Doch werden es zu viele, stellen diese für den Ort und dessen Bewohner eine große Belastung dar. Der Kampf gegen Overtourism war Thema des fvw Destination Germany Days am 15. Januar im Rahmen der Reisemesse CMT in Stuttgart.

Das Fazit: Norderney macht schon sehr vieles richtig.

Overtourism ist kein neues Thema

Kommen so viele Touristen an einen Ort, dass sie gar nicht mehr das erleben können, weshalb sie die Destination eigentlich besucht haben, dann mindert das die Freude am Urlaub. Denn wer mag schon überfüllte Urlaubsorte. Und auch für die Einheimischen ist der Massenansturm ein drängendes Thema, da deren eigenes Leben insbesondere zu den Stoßzeiten teilweise stark beeinträchtigt wird. Kein neues Problem, sondern eines, das bereits seit den 70er Jahren besteht.

Bekannte Beispiele für Overtourism sind zum Beispiel Venedig, das die Zahl der Touristen gar nicht mehr aufnehmen kann, wenn die großen Kreuzfahrtschiffe ankommen, oder auch Amsterdam, das mittlerweile kein Tourismus-Marketing betreibt, da ohnehin schon zu viele Menschen die Stadt besuchen.

Als der Chef von Visit Berlin, Burkhard Kieker, im Januar 2016 zum ersten Mal über Overtourism in Berlin sprach, war dies für deutsche Destinationen noch ein eher unbekanntes Thema. Heute ist das anders. Immer öfter werden Pläne von Kommunen und Destinationsmanagern von der Bevölkerung blockiert und die Forderungen nach einem für alle verträglichen Tourismus immer lauter.

Norderney bei Einbindung von Bewohnern Vorreiter in der Reisebranche

Das Reizklima der Insel und die Nähe zum Festland trugen bereits im 18. Jahrhundert mit zum Beginn des Tourismus bei.
Das Reizklima der Insel und die Nähe zum Festland trugen bereits im 18. Jahrhundert mit zum Beginn des Tourismus bei.

Das Problem Overtourism betrifft schon lange nicht mehr nur die großen Reiseziele, sondern auch vergleichsweise ländliche Gebiete. Denn es kommt nicht nur auf die Anzahl der Gäste pro Jahr an, sondern auch darum, welche Art von Tourismus man sich wünscht und wie die Verbindung zwischen Gastgeber und Gast sein soll. Eine persönliche und familiäre Atmosphäre ist ab einer bestimmten Besucherzahl nur noch schwer umsetzbar.

Norderney begrüßt bei 6.000 Einwohnern und 23.500 Betten Jahr für Jahr rund 500.000 Gäste und setzt bei seinem Lebensraum- und Erfahrungsmarketing darauf, seine Bürger bei Tourismusprojekten von Anfang an mit einzubinden. So setzt man bei Imagekampagnen für Prospekte, die Inselzeitung oder Werbefilme ausschließlich auf einheimische Modelle, damit sich die Inselbewohner mit der Werbung für ihre Insel bestmöglich identifizieren können.

Außerdem bittet man die Einwohner vor geplanten Bauprojekten um ihre Meinung. Ein Beispiel dafür ist der Umbau des großen Badehauses mit dem europaweit größten Thalassoprogramm und zahlreichen angebotenen Kursen. Hier wurde im Vorfeld eine vierwöchige Auftaktveranstaltung abgehalten, während der die Inselbewohner ihre Ideen einbringen konnten.

Des Weiteren wird die Bevölkerung auch angehört, wenn sie sich gegen ein geplantes Projekt aussprechen. So wurde die angedachte Erweiterung des Golfplatzes auf Norderney gestoppt, weil sich in der Bevölkerung deutlicher Widerstand dagegen regte.

Diese Form der Bürgerbeteiligung hilft, größere Konflikte zu umgehen und Overtourism zu vermeiden.

Container-Havarie der MSC ZOE: Auch Norderney betroffen?

2019 war kaum angebrochen, da gab es schon die erste beunruhigende Meldung. Das riesige Containerschiff MSC Zoe hatte am 1. Januar bei stürmischer See fast 300 Containerbehälter verloren. Die meisten davon sanken und müssen nun aus 20 bis 30 Metern Tiefe geborgen werden.

Eine langwierige Geschichte. Das von der Reederei beauftragte Bergungsunternehmen geht derzeit von einer Bergungsdauer von drei bis sechs Monaten aus. Die in Panama registrierte MSC Zoe ist mit einer Länge von 395 Metern und einem Fassungsvermögen von über 19.000 Standardcontainern eines der größten Containerschiffe der Welt.

Norderney blieb von angeschwemmter Ladung weitestgehend verschont

Von angeschwemmter Ladung aus geborstenen Containern waren vor allem die niederländischen Inseln Vlieland, Terschelling und Ameland betroffen. Die deutschen Nordseeinseln blieben mit Ausnahme von Borkum weitestgehend verschont. Dort gab es teilweise erhebliche Verschmutzungen durch die angeschwemmte Ladung. Auch auf Norderney waren laut Angaben des Havariekommandos einzelne Teile der Ladung angeschwemmt worden, darunter Fahrradbleche, andere Kunststoffteile und Verpackungsmaterial. Gefahrgut wurde nicht gemeldet. Generell ist aber zusätzlich zu den gut sichtbaren Teilen auch Mikroplastik nach der Havarie ein großes Thema. Dieses ist biologisch nicht abbaubar und wird laut Greenpeace zunehmend in Seevögeln und Meerestieren nachgewiesen.

Bergungsarbeiten stellen sich schwierig dar

Nachdem die an den Stränden angeschwemmte Fracht in den letzten Wochen emsig eingesammelt worden war, konnten die Bergungsarbeiten auf See erst vor wenigen Tagen starten und gestalten sich auch weiterhin schwierig.

Die Containerteile können vom Bergungsschiff nur mit Echolot und Sonar ausfindig gemacht werden und bleiben zudem durch die Srömung nicht an Ort und Stelle, was es für den Kranführer schwierig macht, die Fracht zu bergen. Dazu kommt, dass wohl viele, wenn nicht alle Container geborsten sind und nun in Einzelteilen vom Meeresboden geholt werden müssen, die bei der Bergung auseinanderbrechen können. Taucher können aufgrund zu großer Strömung und des kleinen Zeitfensters nicht eingesetzt werden.

Auch das Wetter und die Tatsache, dass es sich bei den Verkehrstrennungsgebieten vor den West- und Ostfriesischen Inseln um eine sehr stark befahrene Route handelt, erschweren und verzögern die Bergung der über Bord gegangenen Fracht.

Der Eigner des Frachters sagte die volle Übernahme der Kosten für die Reinigung der Küsten und die Bergung aller Container zu.

AG Reederei Frisia testet Smart-Cube auf Norderney

Die AG Reederei Frisia setzt zum Jahresende ihre Strategie zur Erweiterung ihres touristischen Angebots weiter um. Nachdem bereits am Kontor der Reederei in Norddeich-Mole sechs hochwertige E-Bikes von Riese & Müller installiert wurden, will Frisia nun auch Bettenanbieter auf Norderney werden. Zu diesem Zweck testet man auf Norderney derzeit mit dem Frisia-Cube ein Smart-Home. Foto: © AG Reederei Norden-Frisia

Auch ein Fernseher ist im Cube.Holiday vorhanden. Foto: © AG Reederei Norden-Frisia
Auch ein Fernseher ist im Cube.Holiday vorhanden. Foto: © AG Reederei Norden-Frisia

Dies ist Teil einer eher neuen Entwicklung bei Frisia, die sich bereits seit längerer Zeit abzeichnet. Denn in den letzten Jahren hat die Reederei vermehrt in Immobilien auf Norderney investiert und Gebäude wie das Columbus, die Villa Inge, das Central Café mit seinen angrenzenden Gebäuden und einen weiteren Gebäudekomplex im Zentrum von Norderney Stadt aufgekauft. Als Bettenanbieter fungierte die Aktiengesellschaft dabei jedoch bisher nicht, sondern ließ die Vermietung der mit den Gebäuden gekauften Betten über Unterunternehmer laufen.

Cube.Holiday ist am Norderneyer Hafen stationiert

Im 3,20 Meter breiten und 7,20 Meter langen Modul ist alles vorhanden, was benötigt wird. Unter anderem ein sehr ansehnliches Badezimmer. Foto: © AG Reederei Norden-Frisia
Im 3,20 Meter breiten und 7,20 Meter langen Modul ist alles vorhanden, was benötigt wird. Unter anderem ein sehr ansehnliches Badezimmer. Foto: © AG Reederei Norden-Frisia

Medienberichten zufolge denkt man bei Frisia nun darüber nach, ein Smart-Hotel auf Norderney zu eröffnen. Ein erster Testlauf findet derzeit mit dem Cube.Holiday statt, einem Container, der sich am Hafen von Norderney auf einem LKW befindet und erste Informationen zu genereller Machbarkeit hinsichtlich Technik, Kosten und Akzeptanz liefern soll. Das autarke und reinigungsoptimierte Modul wurde von der Aktiengesellschaft von Grund auf entwickelt und ist in Deutschland derzeit in seiner Form einzigartig.

Es handelt sich um ein digitalisiertes Smart-Home mit voll ausgestattetem Gästezimmer, kleinem Bad und Internetzugang, das komplett per App steuerbar ist. Die Gäste können mit der App nicht nur Ein- und Auschecken, sondern das 3,20 Meter breite und 7,20 Meter lange Modul auch öffnen und schließen. Zudem sind im Cube.Holiday ein Sound- und ein Heimkinosystem installiert, so dass Gäste weder auf die Lieblingsmusik noch auf ihre geliebten Serien und Filme verzichten müssen. Wer möchte, kann sogar vorab einstellen, welche Raumtemperatur bei Rückkehr vom Restaurantbesuch oder Strandspaziergang im Container herrschen soll. Das für Besucher ab 25 Jahren konzipierte Modul kann auch für nur eine Nacht gebucht werden.

Umsetzung eines Modulhotels noch fraglich

Ob nach der Testphase tatsächlich ein Modulhotel auf Norderney entstehen wird, ist derzeit noch unklar. Nach Aussage der Reederei müssten hierzu zunächst Kundenfeedback, mögliche Umsetzung und damit verbundene Kosten bewertet werden. Auch ein möglicher Standort ist aktuell noch nicht bekannt. Möglich ist die Schaffung einer Buchungsplattform über die der Gast jegliche Urlaubsangebote (auch von Dritten) auf Norderney digital buchen kann.

Winter auf Norderney – Weihnachten, Markt & Anbaden

Wenn die Tage kälter werden und die scharfen Winde über Norderney ziehen, wird es ruhig auf der Insel. Die Winter sind rau dort, die Luft ist kalt und klar und die Insel wird zum perfekten Ort, um dick eingepackt die Einsamkeit zu genießen und den Kopf freizubekommen. Oftmals ist man auf den im Sommer lebhaft besuchten Rad- und Wanderwegen allein, kann die Ruhe genießen und mit Glück die Seehunde beobachten.

Es bleibt Zeit, mit den Inselbewohnern ins Gespräch zu kommen, die vielfältigen Wellnessangebote zu nutzen und sich nach einem gemütlichen Spaziergang in einer der gemütlichen Teestuben oder hervorragenden Restaurants wieder aufzuwärmen und die kulinarischen Spezialitäten der Insel zu genießen. Doch der Winter auf Norderney hat nicht nur Stille zu bieten.

Gerade in der Zeit zwischen den Jahren erwartet den Norderney-Besucher ein vielfältiges Veranstaltungs- und Kulturprogramm. Es gibt Lesungen, Yogaabende, das Kino im Kurtheater bietet ein aktuelles Programm, es gibt Konzerte im Kurhaus und im Conversationshaus und Schauspieler der Landesbühne Niedersachsen geben Gastspiele auf Norderney.

Weihnachten auf Norderney

Heiligabend kann auch auf Norderney besinnlich erlebt werden. Bereits um 15 Uhr wird ein Familiengottesdienst abgehalten und um das Kindermusical „Die Weihnachtsmäuse“ ergänzt. Die Krippenfeier für Kinder und Familien in der Kirche Stella Maris findet um 16 Uhr statt. Die traditionelle feierliche Christmette mit musikalischer Umrahmung durch den Posaunenchor wird um 22:30 Uhr an Heiligabend abgehalten. Und wer nach den Weihnachtsfeiertagen noch immer nicht genug von Weihnachtsliedern hat, hat am 27.12. im Conversationshaus beim Lions-Weihnachtssingen Gelegenheit diese in der Gemeinschaft zu Gehör zu bringen. Das Weihnachtskonzert der Norderneyer Chöre folgt am 28. Dezember.

Winterzauber auf Norderney

Schon traditionell findet auf Norderney zudem vom 27. Dezember bis zum 1. Januar der winterliche Markt auf dem Kurplatz statt. Dort lassen sich nicht nur kulinarisch die Tage zwischen den Jahren genießen, sondern es wird auch ein umfangreiches Rahmenprogramm angeboten. Der Eintritt für den Wintermarkt ist frei.

20. traditionelles Anbaden auf Norderney

Nach der alljährlichen großen Silvesterparty mit Live-Musik im Conversationshaus (dieses Jahr leider schon ausgebucht), steht an Neujahr bereits zum 20. Mal das traditionelle Anbaden auf dem Programm. Dabei stürzen sich hunderte von Menschen in die kalte Nordsee, angefeuert von einigen tausend Schaulustigen, die das Spektakel vom Strand aus beobachten. Wer das Meerwasser genießen möchte, ohne zu frieren, für den lohnt ein Besuch im Badehaus mit seinem schön ausgestatteten Familienbereich.

Schwerbehinderte zahlen für Fähre nach Norderney weiterhin den regulären Fahrpreis

Im Nahverkehr werden Schwerbehinderte sowie eingetragene Begleitpersonen kostenlos befördert. So auch auf den Fähren von und nach Langeoog und Wangerooge sowie seit kurzem auf der Fähre, die zwischen Emden und Borkum verkehrt. Für die Fähre zwischen Norddeich und Norderney/Juist müssen Betroffene jedoch bis auf Weiteres den regulären Fahrpreis entrichten.

Eine Entscheidung, die unter anderem von der Landesbehindertenbeauftragten in Niedersachsen, Petra Wontorra, kritisiert wird.

Viele Fährverbindungen zu den Inseln sind für Betroffene bereits kostenlos

Das Leipziger Bundesverwaltungsgericht urteilte nach einem sechs Jahre andauernden Rechtsstreit zwischen einem Rentner und der Reederei Ems AG, dass die Fährverbindung zwischen Emden und Borkum als Nah- und nicht als Fernverkehr zu sehen ist, obwohl sie zwei Stunden dauert. Dieser Entscheidung ist es zu verdanken, dass Betroffene und ihre Begleitpersonen auf der Fähre kostenlos befördert werden. Auch die von der Inselgemeinde selbst betriebene Langeoog-Fähre und die Fähre von und nach Wangerooge, für die die Deutsche Bahn zuständig ist, bieten eine kostenlose Beförderung für Schwerbehinderte und eingetragene Begleitpersonen.

Landesbehindertenbeauftragte sieht Norderney ebenfalls in der Pflicht

Die Frisia-Reederei, die die Fähre zwischen dem Festland und Norderney betreibt, betrachtet die Überfahrt jedoch nach wie vor als Fernverkehr und sieht daher keine kostenlose Beförderung für Schwerbehinderte vor. Lediglich eingetragene Begleitpersonen (Merkzeichen B) werden aktuell unentgeltlich befördert. Erklärt wurde diese Entscheidung von einem Sprecher der Reederei damit, dass vorwiegend Urlauber befördert würden.

Die Landesbehindertenbeauftragte Niedersachsens kann diese Entscheidung Medienberichten zufolge nicht nachvollziehen, sie sieht Norderney ebenso in der Pflicht, die bestehende Regelung zu überdenken. Sie begründet dies damit, dass ebenso wie im Fall von Borkum auch die Fähren zwischen Norddeich und Norderney/Juist tideunabhängig nach regelmäßigem Fahrplan verkehren.

Eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg hinsichtlich einer Klage eines schwerbehinderten Mannes mit Zweitwohnung auf Norderney steht indes noch aus.

Überfahrt von und nach Norderney ist barrierefrei möglich

Nichtsdestotrotz ist die Fährfahrt von und nach Norderney auch für Rollstuhlfahrer gut möglich. Das Fährterminal in Norderney ist barrierefrei gestaltet und es steht ein behindertengerechtes WC zur Verfügung. Der Einstieg in die Fähre ist dank einer Rampe für Rollstuhlfahrer gut passierbar. Jedoch kann das Gefälle bei Niedrigwasser sehr steil sein. In diesem Fall empfiehlt es sich, vorab eine Meldestelle zu kontaktieren, um kostenlose Hilfe anzufordern.

Auch im Inneren der Linienschiffe befindet sich ein behindertengerechtes WC, der Fahrgastraum im Salon mit Restaurant und gut erreichbaren Plätzen ist ebenfalls barrierefrei und gut zu erreichen. Die Reederei Norden-Frisia bietet Reisenden mit eingeschränkter Mobilität Hilfe beim Ein- und Ausschiffen sowie an Bord der Schiffe an.

Norderney kann sich über Mangel an Gastpriestern nicht beklagen

Die katholische Gemeinde Norderneys ist mit rund 500 Mitgliedern recht überschaubar und muss ohne eigenen Priester auskommen. Doch Sorgen um mangelnde seelsorgerische Betreuung muss sich das Eiland vor der ostfriesischen Küste nicht machen. Zahlreiche Priester kommen gerne immer wieder auf Norderney, um dort als Gastpriester die Katholiken auf der Insel zu betreuen und sich gleichzeitig zu erholen.

Seelsorge für andere und auch für die Priester selbst.

Mehr Zeit für den Menschen

Die Arbeit der Gastpriester auf Norderney ist für beide Seiten von Vorteil und wird von den Einheimischen und insbesondere auch von den Touristen gut angenommen. Insbesondere letztere sind es, die während ihres Aufenthalts auf der Insel bewusst ein Gotteshaus als Ort der Kraft und Ruhe aufsuchen und oftmals nach langer Zeit zum ersten Mal wieder in die Kirche gehen.

Gerade für diese Menschen bleibt den Geistlichen auf Norderney Zeit. Sie haben die Möglichkeit für Gespräche und Begegnungen. Zeit, um Seelsorger zu sein, etwas das während der Arbeit in den eigenen Gemeinden durch deren schiere Größe und den alltäglichen Verwaltungsaufwand oft nicht mehr in dem Maße möglich ist, in dem sich viele Gastpriester dies wünschen würden. Oft fühlen sich die Geistlichen dadurch auch freier und lockerer als Zuhause.

Doch die Arbeit mit der bunten Gemeinde auf Norderney ist nicht für jeden Priester geeignet. Die Kirchengemeinde Norderneys ist selbstbewusst. Es ist kein Platz für alte Pfarrherrlichkeit. Stattdessen wünscht man sich auf Norderney Priester, die offen für Gespräche und Begegnungen sind, frisch und gut predigen und insbesondere auch Kinder in die Gottesdienste mit einbeziehen.

Modern gestaltetes Appartement und bewährte Strukturen

Geistliche, die dies schätzen und die Norderney einmal für sich gewonnen hat, kommen gerne immer wieder und fragen häufig bereits ein Jahr im Voraus an, ob sie wieder auf der Insel als Gastpriester tätig sein und gleichzeitig dort ihren Urlaub verbringen dürfen. Hierzu steht den Seelsorgern ein modern gestaltetes Ferienappartement zur Verfügung. Im Gegenzug dafür erwartet man die Übernahme der regelmäßigen Gottesdienste in den Kirchen St. Ludgerus und Stella Maris sowie auf Anfrage auch die Spendung weiterer Sakramente, wie etwa der Krankensalbung.

Tipp für Norderney-Besucher: Die von Dominikus Böhm 1931 erbaute ehemalige Sommerkirche Stella Maris ist mit über 700 Plätzen die größte katholische Kirche in Ostfriesland. Ebenso wie die kleine Pfarrkirche St. Ludgerus lohnt sie auch außerhalb der Gottesdienstzeiten einen Besuch.

„Forschung vor Anker“-Tour 2018 geht über Norderney

Besuchern zu zeigen, wie wichtig die eigene Arbeit ist. Das ist eine der Intentionen der Wissenschaftler des Forschungsschiffes LUDWIG PRANDTL, das Anfang Juli fünf Tage lang entlang der Küste unterwegs ist und in den Häfen Norderneys, Helgolands und Cuxhavens Station macht. Auf Norderney kann das Forschungsschiff am 9. Juli zwischen 13 und 17 Uhr besucht werden.

Initiator, der Tour, die seit 2009 bereits zum zehnten Mal stattfindet, ist der ehemalige, mittlerweile pensionierte HZG-Institutsleiter Professor Hans von Storch.

„Open Ship“ auf Norderney am 9. Juli ab 13 Uhr

In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern bietet das Institut für Küstenforschung des HZG auf Norderney ein interessantes Programm für Jung und Alt. Dabei gibt es Gelegenheit, das Forschungsschiff kostenlos zu besichtigen, das unter anderem mit einem Labor, einem Faltkran, einer Einleiterwinde und einer Schleppvorrichtung für Messgeräte ausgestattet ist. Dazu kommen an jeder Station zwei kostenfreie Abendvorträge mit anschließender Fragerunde. Auf Norderney finden diese von 19 bis 21 Uhr im Conversationssaal (am Kurplatz 1) statt.

Es werden folgende Themen behandelt

  • „Vom Leben der Welle Bella: Physik der Meereswellen“ (Dr. Ralf Weiße, Institut für Küstenforschung, HZG)
  • „Küstenschutz als Aufgabe zwischen Forschung und Landesverwaltung“ (Dr. Andreas Wurpts, Forschungsstelle Küste des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz)

Interessierte Gruppen (z. B. Schulklassen) können vormittags von 10 bis 12 Uhr vor dem eigentlichen Open-Ship-Programm nach Voranmeldung an gesonderten Führungen teilnehmen.

Ziel der Tour des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG) ist es, die Faszination für die Forschung zu wecken und Menschen und Verantwortlichen an der Küste zu zeigen, wie man sich den Herausforderungen an den Küsten stellt. Außerdem ist es den Wissenschaftlern wichtig zu zeigen, dass sie auch ansprechbar sind.

Weitere Gelegenheiten, das Schiff zu besichtigen und an Vorträgen teilzunehmen, hat der interessierte Besucher am 11. Juli auf Helgoland und am 13. Juli in Cuxhaven.

Über das Helmholtz-Zentrum Geesthacht und das Forschungsschiff LUDWIG PRANDTL

Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht ist eine gemeinnützige Forschungseinrichtung und eines von 18 Zentren in der größten deutschen Wissenschaftsorganisation, der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Nach dem Leitsatz „Wissen schafft Nutzen“ beschäftigt man sich im Zentrum unter anderem mit den langfristig angelegten Schwerpunkten der Werkstoff- und Küstenforschung.

Das nach einem deutschen Physiker benannte Forschungsschiff LUDWIG PRANDTL ist ein Schiff mit geringem Tiefgang (1,70 Meter) und kann daher vor allem für die Forschungsarbeit in den tidebeeinflussten Bereichen der großen norddeutschen Flüsse und des Wattenmeers eingesetzt werden. Haupteinsatzgebiete des Schiffes sind die Nord- und Ostsee, Boddengewässer und Flussmündungsgebiete.

Schaumalge fand optimale Wachstumsbedingungen vor

Phaeocystis globosa, die Schaumalge, gehört im Bereich der Ostfriesischen Inseln zu den alten Bekannten und ist vor allem zwischen Anfang April und Mitte Mai in voller Blüte zu sehen. Dieses Jahr sorgten die sommerlichen Witterungsbedingungen zusammen mit erhöhten Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft zu einer wahren Massenvermehrung der Algen.

Vor Pfingsten wurden über 19.500 Kolonien in nur einem Liter Meerwasser gemessen. Das sind über 10.000 mehr als in den Jahren zuvor.

Deutlich erhöhte Werte laut Niedersächsischem Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz

Auch auf Norderney fand die Schaumalge in disem Jahr optimale Wachstumsbedingungen vor.
Auch auf Norderney fand die Schaumalge in disem Jahr optimale Wachstumsbedingungen vor.

Geht man im Frühjahr am Nordseestrand entlang, sieht man häufig festen, weißen Schaum am Strand liegen oder im Meer treiben. Dabei handelt es sich jedoch nicht – wie man vielleicht meinen könnte – um eine Verunreinigung mit Waschmittel oder Chemikalien – sondern um kugelförmige eiweiß- und kohlenhydrathaltige Hüllen von Schaumalgen, die zu dieser Zeit in der südlichen Nordsee blühen. Treibt dieser Schaum in Richtung Strand, geht die Algenblüte bereits dem Ende entgegen.

Ein an sich ganz natürliches Phänomen also, das aus der südlichen Nordsee bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt ist, das jedoch in diesem Jahr in außergewöhnlichem Ausmaß auftrat. Letztmals wurden vergleichbare Konzentrationen im Jahr 2010 erreicht.

Verantwortlich für die diesjährige Intensität sind zum einen die ruhigen und warmen Wetterbedingungen in diesem Jahr, zum anderen aber auch die Nitrateinträge aus der (intensiven) Landwirtschaft, die über Gülle und Felder in die Entwässerungsgräben und damit in die Nordsee gelangen und eine ideale Nahrungsgrundlage für die Schaumalge bieten. Hier soll die neue Gülleverordnung des Landkreises Niedersachsen Abhilfe schaffen und dazu beitragen, die Nitrateinträge aus der Landwirtschaft zu verringern.

Schaumalge bringt Ökosystem Wattenmeer aus dem Gleichgewicht

Gesundheitsschädlich ist das gelbbraune Wasser mit dem auffallenden Schaumteppich und dem unangenehmen Geruch, der durch flüchtige, organische Schwefelverbindungen entsteht, für den Menschen nicht.

Jedoch kann der klebrige Schaum der planktischen Algenart unter anderem für die Jungvögel am Wattenmeer eine Gefahr darstellen, wenn er deren Jugendgefieder verklebt, was für die Tiere oftmals tödlich endet.

Ungetrübtes Badevergnügen in der Hauptbadesaison zu erwarten

Für dieses Jahr scheint die Schaumalgenzeit jedoch im Großen und Ganzen überstanden zu sein. Ende Mai wurden nur noch 3000 Kolonien pro Liter Seewasser gemessen und Prognosen zufolge soll der Schaum bis zur Hauptbadesaison wieder verschwunden sein.

Die Immobilienpreise auf Norderney gehen durch die Decke

Auf Sylt haben sich die Wohnungspreise in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Doch nirgendwo in Deutschland ist der mittlere Quadratmeterpreis höher als auf Norderney. Ein großes Problem für den Durchschnittsbürger. Denn es ist nahezu unerschwinglich geworden, auf der Insel bezahlbaren Wohnraum zu erwerben oder auch nur zu mieten.

Auf Norderney gehen die Preise für Immobilien seit dreißig Jahren stetig nach oben und sind seit dem Jahr 2007 um satte fünf Prozent gestiegen. Und auch in diesem Jahr gingen die Preise für Wohnungen und Häuser noch einmal deutlich in die Höhe. Derzeit liegt der durchschnittliche Hauspreis bei über einer Million Euro. Ebenso stiegen die Preise für Wohnraum bis 100 Quadratmeter noch einmal merklich. Auch die Mietnebenkosten und Nebenkosten für die Anschaffung von Grunderwerbssteuer bis Energieauflage sind erheblich gestiegen.

Quadratmeterpreise von bis zu 20.000 Euro

Preise wie 1,3 Millionen Euro für eine Zwei-Zimmer-Wohnung, über 1,7 Millionen für ein Haus ab 180 Quadratmetern oder 700.000 Euro für eine Wohnung mit 35 Quadratmetern sind je nach Lage und Ausstattung keine Seltenheit. In der Viktoriastraße auf Norderney, einer der teuersten Straßen Deutschlands, werden Quadratmeterpreise von bis zu 20.000 Euro angesetzt. Nicht bezahlbar für die meisten Insulaner. Wer auf Norderney Immobilien erwirbt, ist meist Investor, der nach Anlagemöglichkeiten in „Betongold“ sucht.

Lange Warteliste für Interessenten

Erleichterung schafft die kommunale Wohnungsgesellschaft auf Norderney, zu der 700 Wohnungen auf Norderney gehören, in denen fast ein Drittel der rund 6000 Norderneyer lebt. Die Gesellschaft versucht die Mietpreise stabil zu halten, doch die Wartelisten sind lang. Interessenten müssen mit ein bis zwei Jahren Wartezeit für die eher bescheidenen Wohnungen ohne Meerblick rechnen. Wer auf der Insel Wohnraum besitzt, vermietet diesen oft lieber an Touristen pro Nacht, als dauerhaft an Inselbewohner. Tote Zonen, unter denen die Attraktivität der Insel außerhalb der Saison leidet.

Zudem ist es der Gemeinde nur noch vereinzelt möglich, weiteren Wohnraum für Insulaner zu erschließen. Viele Betriebe stellen Wohnungen für ihr Personal zur Verfügung. Nichtsdestotrotz pendeln viele Arbeitnehmer, besonders in den Bereichen Service und Reinigung, täglich vom Festland auf die Inseln.

Milieuschutz gilt als problematisch

Als ursächlich für das Wohnungsproblem auf Norderney wird unter anderem der dortige Milieuschutz genannt. Die künstliche Verknappung von Wohnraum treibt die Preise in schwindelnde Höhen, die nur noch für Investoren bezahlbar sind. Dazu kommt, dass viele Pensionen altersbedingt aufgegeben und von den Kindern nicht mehr weiterbetrieben, sondern stattdessen an Investoren zum höchstmöglichen Preis verkauft werden.

Tür an Tür mit Mickie Krause?

Seit je her zieht Norderney auch prominente Persönlichkeiten an. So verbrachten schon Literaturgrößen wie Theodor Fontane, Franz Kafka und Heinrich Heine Zeit auf der ostfriesischen Insel. Heute ist Norderney die zweite Heimat des bekannten Kabarettisten Ludger Stratmann geworden, Atze Schröder besucht die Insel regelmäßig und nun soll auch die bekannte Ballermann-Größe Mickie Krause dort ein Häuschen gekauft haben, wie die BILD-Zeitung berichtet.

Wie die BILD-Zeitung berichtet, hat Mickie Krause ein Haus auf Norderney gekauft. Foto: By Sven Mandel [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons
Wie die BILD-Zeitung berichtet, hat Mickie Krause ein Haus auf Norderney gekauft. Foto: By Sven Mandel [CC BY-SA 4.0], from Wikimedia Commons

Medienberichten zufolge will der bekennende Familienmensch, der eigentlich Michael Engels heißt, die Insel und damit auch das weiße Häuschen mit Glasveranda in 400 Meter Entfernung zum Strand nur privat und nicht als Mickie Krause besuchen.

Der Partysänger, der durch Hits wie „Zehn nackte Frisösen“ und „Zeig mir mal die Möpse“ bekannt wurde, ist vor allem durch seine Auftritte in der Diskothek Riu Palace an der Platja de Palma auf Mallorca Partyhungrigen aus aller Welt ein Begriff und ein gern gesehener Gast auf Mallorca- und Aprés-Ski-Events im deutschsprachigen Raum.

Er gilt als einer der erfolgreichsten Akteure der Szene und lebt gewöhnlich mit seiner Frau, seinen drei Töchtern und seinem Sohn in Wettringen oder in seinem Haus auf Mallorca. Eines seiner Markenzeichen ist seine Langhaarperücke, mit der der ehemalige Bravo Boy sein Privatleben schützen möchte.

Ein Häuschen im windigen Norden

Doch neben seiner Liebe zur Baleareninsel Mallorca gilt der 47-Jährige auch als bekennender Norderney-Fan und bezeichnet die Insel in Medienberichten schon einmal als zweitschönste Insel. Vor kurzem war er dort im NDR-Fernsehen auch an der Seite von Moderatorin Judith Rakers unterwegs, mit der er vor laufender Kamera das Nachtleben der ostfriesischen Insel erkundete.

Mickie Krause war zudem auch schon als Markenbotschafter für imi-beton auf Norderney zu sehen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und dem deutschen Sänger und Entertainer ergab sich im letzten Jahr eher zufällig, als er vor dem etwa acht Meter großen Norderney-Schriftzug aus imi-beton posierte, der Teil der Einrichtung des neuen Hafenterminals auf Norderney ist, für das die H. Schubert GmbH für die Reederei Frisia den Innenausbau komplett plante und durchführte.